Hermann Hesses dritte Ehefrau Ninon Ausländer

© Suhrkamp Verlag, Berlin

Ninon Ausländer, verheiratete Dolbin, brachte es fertig, dem Mann und Künstler Hermann Hesse und seinen Bedürfnissen in vieler Hinsicht gerecht zu werden, wenn auch nicht ohne Momente des Leidens und Zweifelns. Ninon, 1895 in Czernowitz, einer Kleinstadt im östlichsten Kronland der Habsburgischen Monarchie, geboren, las als 14-jährige Schülerin Peter Camenzind und schrieb tief beeindruckt an Hermann Hesse. Daraus entspann sich ein nicht abreißender Briefwechsel zwischen dem achtzehn Jahre älteren, bekannten Autor und der bewundernden, aber auch kritischen Leserin. 1913 ging Ninon nach Wien, wo sie zunächst ein Medizinstudium begann und sich später für Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie einschrieb. Hier lernte sie auch ihren ersten Mann Fred Dolbin kennen, von Beruf Ingenieur, der sich dann als Karikaturist einen Namen machte. Studienaufenthalte führten sie nach Paris und Berlin. Die erste Begegnung zwischen Ninon und Hermann Hesse fand 1922 in Montagnola statt. Im März 1926 begann ihre Beziehung in Zürich, zu einem Zeitpunkt, wo beide sich mit der bevorstehenden Trennung vom jeweiligen Ehepartner, Fred Dolbin beziehungsweise Ruth Wenger, auseinander setzten. Ninon besuchte Hesse daraufhin in der Casa Camuzzi in Montagnola. In dieser Zeit schrieb Hesse folgendes Gedicht :

 

 

Für Ninon

 

Daß du bei mir magst weilen,

Wo doch mein Leben dunkel ist

Und draußen Sterne eilen

Und alles voll Gefunkel ist,

 

Daß du in dem Getriebe

Des Lebens eine Mitte weißt,

Macht dich und deine Liebe

Für mich zum guten Geist.

 

In meinem Dunkel ahnst du

Den so verborgnen Stern.

Mit deiner Liebe mahnst du

Mich an des Lebens süßen Kern.

 

Ninon machte sich Hesse allmählich unentbehrlich, sodass dieser trotz großer Bedenken vor einer weiteren Bindung 1931 doch die Ehe mit ihr einging, die dann lebenslang hielt. Über diese Ehe berichtet das Buch von Gisela Kleine: Zwischen Welt und Zaubergarten. Ninon und Hermann Hesse: ein Leben im Dialog.