Hermann Gundert

Dr. Hermann Gundert (1814 – 1893), der „indische“ Großvater, übte auf den jungen Hermann Hesse eine große Faszination und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. Wie später der Enkel besuchte er das Maulbronner Seminar, ehe er in Tübingen Theologie studierte. Von 1836 bis 1859 wirkte Gundert als Missionar in Südindien. Dort leitete er Missionsstationen, begründete ein bis heute funktionierendes Schulwesen und betätigte sich als Sprachforscher. So strukturierte er die Grammatik der indischen Sprache Malayalam und verfasste ein Wörterbuch, das noch heute in Gebrauch ist. In Indien heiratete er seine Frau Julie, eine Missionsschwester aus der französischen Schweiz, mit der er sechs Kinder hatte, darunter Marie, die Mutter von Hermann Hesse. Eine schwere Ruhr-Erkrankung führte ihn 1859 nach Deutschland zurück, wo er langsam gesundete; aber an eine Rückkehr nach Indien war nicht mehr zu denken. Die Basler Mission schickte ihn deshalb nach Calw, um den gesundheitlich beeinträchtigten Gründer des Calwer Verlagsvereins, Christian Gottlob Barth (1299-1862), in seiner Arbeit zu unterstützen. Nach Barths Tod 1862 wurde Gundert sein Nachfolger. Unter seinem Einfluss wuchs der Verlag erheblich, und das Buchprogramm erweiterte sich von den Missionsschriften zu kirchengeschichtlichen und historische-geografischen Publikationen. Gundert starb 1893 im Alter von 79 Jahren in Calw. Noch heute wird Hermann Gundert an der Südwestküste Indiens verehrt: In der Stadt Talasseri (Bundesstaat Kerala) steht seit dem Jahr 2000 an zentraler Stelle ein großes Gundert-Denkmal.

 

Hermann-Gundert-Gesellschaft