Hermann-Hesse-Festival im Dezember in Basel geplant

Hermann Hesse 1902 in Basel. Zeichnung der Malerin Marie La Roche

Zu Beginn des Jahres überraschte die Stadt Basel, in der Hermann Hesse 1881-1886, 1899-1904 und 1924/25 lebte, aber nie sonderlich gewürdigt wurde, mit der Nachricht, dass ein Platz in der Stadt nach dem Dichter benannt werden solle (siehe unseren Bericht vom 22. 1. 2021). Nun legt Basel nach und will den Festakt im Dezember in ein dreitägiges „Hermann-Hesse-Festival“ einbetten.

Zwischenzeitlich war die geplante Platzbenennung in Basel selbst in scharfe Kritik geraten. Der Journalist Martin Furrer hatte am 25. Januar in der Basler Zeitung eine Glosse veröffentlicht unter der Überschrift „Seltsame Ehre für Hermann Hesse. Ein kleines Plätzchen an der Rheingasse soll nach dem 1962 verstorbenen Literatur-Nobelpreisträger benannt werden“. Darin nannte er den vorgesehenen Platz eine „namenlose Lücke in der Häuserreihe“, „ein städtebauliches Nichts“, „14 Meter in der Länge und zehn Meter in der Breite“ und kam zu dem Ergebnis: „Hermann Hesse hätte Besseres verdient.“

Vermutlich war dies u. a. der Anstoß dafür, die Sache nun repräsentativer gestalten zu wollen. Es fand sich jedenfalls ein Komitee, das die Platzbenennung mit einem Hesse-Festival umrahmen will. Dieses verlautbarte jetzt in der Basler Zeitung:

 

„Vom 9.–11. Dezember dieses Jahres soll in Basel das Hermann-Hesse-Festival stattfinden. Mit Lesungen, Vorträgen, Begehungen, Konzerten und der Einweihung des Basler Hermann-Hesse-Platzes soll die Bedeutung des Schriftstellers für Basel im Gedächtnis der Stadt erhalten bleiben. Initiiert wird das Festival vom Verein Hermann Hesse Basel, welcher am 23. März gegründet wurde. Präsidentin ist die Publizistin und Ausstellungsmacherin Helen Liebendörfer. «Das Jahr 2021 eignet sich gut für diese Aktivitäten, weil sich am 10. Dezember zum 75. Mal die Vergabe des Nobelpreises an Hermann Hesse jährt», sagt sie. Es lohne sich für Basel, verstehen zu lernen, wie viel Inspiration der Schriftsteller durch Basel erhalten habe. Hermann Hesses Bücher – «Siddhartha» und «Der Steppenwolf» seien hier genannt – verkauften sich rund 150 Millionen Mal. Sie wurden in 72 Sprachen übersetzt.

Treibende Kraft im Komitee ist der amerikanische Filmproduzent und Harvard-Historiker Richard Herland, welcher 1973 in Basel durch die Dreharbeiten für den Film «Steppenwolf» aktiv geworden war. In mehreren Meetings mit Interessierten hat der mittlerweile 85-Jährige eine Crew für sein Anliegen gefunden. Herland: «Wir riskieren trotz der Unsicherheit durch die Pandemie das Festival. Es muss einfach gelingen, dass sich Basel der Wichtigkeit im Leben dieses aussergewöhnlichen Schriftstellers stärker bewusst wird. In Basel weiss man kaum, wie massgeblich das Peace-Movement in den USA durch die Bücher von Hermann Hesse gesteuert wurde.» Es sei eine sehr gute Nachricht, dass die Basler Regierung dermassen schnell die Petition für ein Strassenschild mit dem Namen Hermann Hesse mit einem Hermann-Hesse-Platz beantwortet habe, so Herland. «Der 10. Dezember wird ein würdiger Tag für die Einweihung.»

Das Basler Hermann-Hesse-Komitee will in den nächsten Wochen das Festivalprogramm finalisieren. Institutionen und Kulturschaffende werden zur Mithilfe eingeladen. Ebenso hat die Suche nach Gönnern und Sponsoren zur Finanzierung begonnen. Durch die neu erstellte Website sollen Interessierte Zugang zum Komitee erhalten sowie eine Übersicht zum aktuellen Stand der Vorbereitungen. ws/mw"

 

Die Website des Komitees ist unter https://www.hermann-hesse-basel.com zu finden; in ihr ist auch das vorläufige Programm einsehbar.

(HSL)